- Die Weltwetterorganisation WMO warnt vor einer mässigen bis starken El-Niño-Periode.
- Für die Monate Juni bis August werden überdurchschnittliche Temperaturen in den meisten Teilen der Welt prognostiziert.
- Die Wetterextreme dürften mit grosser Wahrscheinlichkeit bis November anhalten.
Lange deutete vieles darauf hin, nun gilt es als sicher: Das Wetterphänomen El Niño entwickelt sich erneut im tropischen Pazifik. Laut der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) der UNO liegt die Wahrscheinlichkeit für einen Beginn zwischen Juni und August bei 80 Prozent. Und die Wahrscheinlichkeit, dass das Phänomen bis mindestens November anhält, liege bei 90 Prozent.
Damit wächst die Gefahr von Dürren, Überschwemmungen und Hitzewellen in vielen Teilen der Welt. WMO-Generalsekretärin Celeste Saulo sagte: «Wir müssen uns auf ein möglicherweise starkes El-Niño-Ereignis vorbereiten, das Dürren und Starkregen verschärfen und das Risiko von Hitzewellen sowohl an Land als auch im Ozean erhöhen wird.»
Auch UNO-Generalsekretär António Guterres meldete sich per Videobotschaft zu Wort: «El-Niño-Bedingungen giessen Öl ins Feuer der globalen Erwärmung.» Die Folgen würden sich noch heftiger und weiter ausbreiten. Auch die globale Durchschnittstemperatur dürfte weiter steigen.
Ein wiederkehrendes Wetterphänomen
El Niño ist ein natürliches Klimaphänomen im tropischen Pazifik. Es kehrt alle zwei bis sieben Jahre zurück und kippt das Klima in gewissen Regionen sozusagen von seinem normalen Zustand ins extreme klimatische Gegenteil.
So treiben die Passatwinde im tropischen Pazifik normalerweise warmes Oberflächenwasser von Südamerika nach Indonesien und Australien. Über dem warmen Meer steigt feuchte Luft auf, Wolken bilden sich, und es regnet stark. Vor Peru und Ecuador steigt gleichzeitig kaltes Tiefenwasser an die Oberfläche. Das Meer bleibt kühl, die Luft trocken.
Während eines El Niño schwächen sich die Passatwinde deutlich ab. Warmes Wasser fliesst zurück Richtung Südamerika, der östliche Pazifik erwärmt sich stark. Vor Peru und Ecuador nehmen Gewitter und Starkregen zu. Flüsse treten über die Ufer, Hänge rutschen ab, ganze Regionen werden überschwemmt.
Auf der anderen Seite des Pazifiks fehlt hingegen der Regen. Indonesien, Australien und Teile Südostasiens trocknen aus. Teils so stark, dass sich Böden verhärten, Ernten verdorren und Wälder in Brand geraten.
Besonders stark spüren somit die Länder auf der Südhalbkugel die Folgen. Europa bleibt meist am Rand dieser Verschiebungen.
Letzter El Niño war einer der stärksten
Der letzte El Niño von 2023/24 gehörte laut WMO zu den fünf stärksten seit Beginn der Messungen im Jahr 1950. Er trug dazu bei, dass 2024 weltweit das heisseste Jahr seit Beginn der Industrialisierung wurde. Besonders starke El-Niño-Phasen verursachen Schäden in Milliardenhöhe.