In einem Holzhäuschen beim Klingnauer Stausee haben vier ältere Herren mit ihren Kameras Sitzplätze bezogen. An einem Teich neben dem See warten sie auf den Eisvogel. Durch Sehschlitze sehen sie direkt auf eine künstliche Brutwand.
Nach wenigen Minuten zeigen sich die blau-orangen Vögel bereits vor den Objektiven der Vogelbeobachter. Mit Fischen im Schnabel kommen sie angeflogen oder waschen sich im Wasser. Blitzschnell verschwinden sie wieder, um kurz darauf mit weiterem Futter für den Nachwuchs aufzutauchen.
«Man weiss, er kommt»
Es sei sehr anspruchsvoll, die schnellen Vögel mit der Kamera zu fokussieren, sagen die Beobachter. Von 2000 Bildern seien manchmal nur fünf brauchbar. Für den Eisvogel sind sie extra die 100 Kilometer aus Süddeutschland in den Aargau gefahren.
Hier sei der beste Ort, um diese Vögel zu beobachten, meint Hobby-Ornithologe Rudi Schlosser. Andernorts hätten sie stundenlang vergeblich gewartet. «Hier muss man auch warten – aber man weiss: er kommt.»
Über die Webcam des Naturzentrums am See beobachten sie von daheim, in welcher Phase sich die Eisvögel befinden. Und wenn es passt, packen sie die Fotoausrüstung ein und fahren mehrmals im Jahr an den Stausee.
Das Versteck für Fotografen
Die Fotografen haben die Beobachtungshütte an diesem Morgen für sich allein. 25 Franken hat jeder von ihnen bezahlt für einen Platz im «Eisvogel-Hide» des Naturzentrums von Birdlife. Der Eisvogel sei ein beliebtes Motiv bei Fotografinnen und Fotografen, sagt Daniela Rüegsegger vom Zentrum. Die Plätze im Versteck seien begehrt.
Zu Beginn sei der Ansturm schwierig gewesen. «Sie besetzten den ganzen Hide. Familien und andere Besucherinnen und Besucher hatten kaum mehr Platz. Darum gibt es für sie nun ein Spezialangebot.» An gewissen Tagen kann die Beobachtungshütte gegen eine Gebühr den ganzen Morgen zum Fotografieren genutzt werden. Am Nachmittag ist sie wieder für alle Besucherinnen und Besucher des Zentrums geöffnet.
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Bild 1 von 4. Mit der richtigen Ausrüstung gelingen aus dem «Eisvogel-Hide» Nahaufnahmen der Vögel. Bildquelle: SRF.
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Bild 2 von 4. Zu viert hat es genügend Platz in der Hütte für die Fotografen. Andere Besucherinnen und Besucher sehen so aber kaum mehr durch die Öffnungen. Bildquelle: SRF.
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Bild 3 von 4. Die Eisvögel sind so nahe am Beobachtungsplatz, dass auch mit dem Smartphone gute Fotos möglich sind. Bildquelle: SRF.
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Bild 4 von 4. Der Klingnauer Stausee ist ein Wasser- und Zugvogelreservat mit internationaler Bedeutung. Vom Naturzentrum am Ufer führt ein Erlebnispfad ins Gebiet. Bildquelle: SRF.
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Ein Vogel frisst bis zu 25 Fische am Tag. «Wenn sie sechs Jungvögel füttern, müssen sie richtig viele Fische bringen», meint Rüegsegger lachend. Für viele Fotogelegenheiten ist also gesorgt.
«Vogel des Jahres» als Magnet
Zur Beliebtheit trage sicher auch bei, dass der Eisvogel «Vogel des Jahres» von Birdlife ist, so Rüegsegger – bereits zum zweiten Mal. «Er ist ein sehr farbiger Vogel. Das Blau glänzt und schillert metallisch. Plus das Orange. Das ist natürlich sehr attraktiv. Und man kann seine Rituale beobachten.» Zudem sei der Eisvogel das ganze Jahr am See zu finden.
Trotzdem sind Eisvögel in der Schweiz noch selten. Der Bestand nehme leicht zu. Es gebe aktuell rund 400 bis 600 Brutpaare. Der Vogel ist damit aber weiterhin auf der Roten Liste.
Der Eisvogel bringe auch Leute an den Klingnauer Stausee, die sich vorher weniger für Vögel interessiert hätten, sagt Rüegsegger. Sie hätten vom «Vogel des Jahres» erfahren und wollten diesen sehen.
Für Puristen ein No-Go
Die vier Fotografen in der Beobachtungshütte geniessen es, dass sie den Platz an diesem Morgen für sich allein haben. So könnten sie sich besser konzentrieren.
Bei Puristen sei diese Art der Tierfotografie verpönt, meint Rudi Schlosser. Diese würden in Zelten getarnt auf die Vögel warten. «Ansitzen oder Anfüttern ist für sie ein No-Go. Aber das ist hier ja nicht gegeben. Das ist das natürliche Habitat. Es gibt wie immer im Leben Ultras und Gemässigte», lacht der Hobby-Ornithologe.