Kaum Schiffsverkehr in der Strasse von Hormus, Blockadedrohungen im Roten Meer und kein Ende des Iran-Kriegs in Sicht. Im Gegenteil: Mit der Beteiligung von Saudi-Arabien an Kriegshandlungen, Angriffen auf iranische Milizen im Irak und der Drohung der mit dem Iran verbündeten Huthi-Miliz, saudische Tanker anzugreifen, stehen die Zeichen in der Region auf Eskalation.
Zwar hat sich der Ölpreis etwas stabilisiert: Die Angst vor Preisen um die 150 Dollar pro Fass Öl hat sich bisher nicht bewahrheitet. Die Gründe sind vielschichtig: mehr Transport von Öl über Land, Auslösung von Reserven und eine deutlich gesunkene Nachfrage in China.
Warum China weniger importiert, ist nicht ganz klar – die chinesischen Behörden äussern sich dazu nicht. Das «Wall Street Journal» vermutet, dass China vor dem Kriegsausbruch seine Reserven deutlich aufgestockt und den Export von raffinierten Ölprodukten verboten hat.
Ausserdem trügen die massiven Investitionen in erneuerbare Energie der vergangenen Jahre Früchte. Zudem fahren immer mehr Elektroautos auf chinesischen Strassen: Bei Didi, dem grössten Fahrdienstvermittler mit 8 Millionen Autos, sind 75 Prozent der Fahrzeuge elektrisch.
Kerosin ist lukrativ
Dass bislang eine weltweite Mangellage an Kerosin ausgeblieben ist, liegt vor allem an Raffinerien. Sie passen ihre Produktion den Preisschwankungen an und wechseln beispielsweise von Diesel- auf die aktuell viel lukrativere Kerosinherstellung.
Trotzdem: Wer diesen Sommer mit dem Flugzeug verreist, dürfte die hohen Kerosinpreise zu spüren bekommen. Tickets für internationale Flüge hätten sich um durchschnittlich 8.5 Prozent verteuert, wie das Deutsche Statistische Bundesamt schreibt. Ausserdem hat die Lufthansa-Gruppe, zu der die Swiss gehört, für den Sommer zehntausende Flüge gestrichen.
Flugkraftstoff so teuer wie kaum je zuvor
Meike Fuhlrott, Mediensprecherin der Swiss, sagt gegenüber SRF: «Die Lage auf den weltweiten Energiemärkten bleibt natürlich dynamisch.» Man versuche, die Auswirkungen auf den Flugbetrieb so gering wie möglich zu halten.
Der Kerosinpreis ist wie der Rohölpreis Schwankungen ausgesetzt und reagiert sensibel auf geopolitische Verwerfungen. Kerosin ist gegenüber März um bis zu 70 Prozent teurer. Anfang dieser Woche lag der Preis bei $ 3.60 pro Gallone.
Der Preis war erst zweimal höher: Knapp zwei Wochen nach Ausbruch des Ukrainekriegs erreichte der Preis 2022 mit etwas über 5 Dollar pro Gallone den Höchststand der letzten 30 Jahre. Am zweitteuersten war eine Gallone mit $ 4.80 kurz vor Ausbruch der Finanzkrise im Jahr 2008. Die damals boomende Wirtschaft, hohe Nachfrage und Spekulationen trieben den Preis in bis dahin ungekannte Höhen.
Hohe Preise führen zu hohen Profiten: Der amerikanische Treibstoffkonzern Chevron etwa vervierfachte seinen Gewinn gegenüber dem Vorjahr. Mit den zahlreichen in der Schweiz vertretenen Ölhändlern wie etwa Vitol oder Trafigura dürfte auch der hiesige Fiskus von der Krise finanziell profitieren.