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Schweizer Tourneetheater - «Das Zelt» gastiert auf einem Schuldenberg

Published on 1.1.1970

Die Shows sind bis November gestrichen, dutzende Künstlerinnen und Künstler warten auf ihre Gagen, Angestellte auf Lohn und das Publikum auf abgesagte Shows – dem Schweizer Tourneetheater «Das Zelt» geht es nicht gut. Die Schulden gehen in die Millionen und sind höher als bisher angenommen.

Mit Comedy, Musik und Theater war es zwei Jahrzehnte lang ganzjährig in der Schweiz unterwegs – höchst erfolgreich. Es war eine wichtige Bühne für nationale und internationale Kulturgrössen, beliebt und geschätzt bei Künstlern und Publikum. Jetzt aber ist die Lage prekär.

2.5 Millionen Franken Schulden hiess es in der Presse. Doch es sind mehr, wie Gründer und Geschäftsführer von «Das Zelt» Adrian Steiner im Interview gegenüber SRF nun zugibt.

Person singt auf einer beleuchteten Bühne.
Legende: Hat die Hoffnung aufgegeben: Remo Forrer wartet auf seine Gage von gespielten Shows. Getty Images / Anthony Devlin

Musiker Remo Forrer ist einer von zahlreichen Künstlern, die vom Veranstalter «Das Zelt» nicht bezahlt wurden. Einige warten auf mehrere Zehntausend Franken, öffentlich Stellung beziehen wollen die wenigsten.

Für den Schweizer ESC-Kandidaten von 2023, Remo Forrer, ist die Lage besonders unglücklich. Durch die gestrichenen Shows fehlt ihm ein grosser Teil seines jährlichen Einkommens.

«Ehrlich gesagt rechne ich mittlerweile nicht mehr mit dem Geld», sagt Forrer. «Ich hoffe natürlich sehr, dass es kommt. Aber ich glaube, es ist schon so viel Zeit verstrichen. Und man hört immer, dass die Schulden im Hintergrund noch viel, viel grösser seien, als man eigentlich zuvor gedacht hätte.»

Schulden höher als bekannt

Tatsächlich sind die Schulden höher, als bisher in der Presse stand. Mehr als 2.5 Millionen Franken, wie viel genau, sagt Adrian Steiner nicht. Zum Schuldenberg gehören Löhne, Mieten, Künstler-Gagen oder auch Sozialleistungen von Angestellten.

‹Das Zelt› ist nicht tot.

Abwärts ging es laut Steiner im letzten November. Ein zugesagter Investitionskredit sei nicht ausbezahlt worden. «Dies führte zu einem temporären Liquiditätsengpass Anfang Jahr, den offenen Betreibungen stand eigentlich der 20-fache Betrag von fixen Aufträgen entgegen. Aber die Presse bekam mit, dass wir die Löhne zu spät bezahlt haben und sagte uns tot. Und dann startete eine Spirale nach unten.»

«Das Zelt» sei aber nicht tot, führt Steiner aus: «Es ist einfach am Boden. Aber es wird wie der Phönix aus der Asche wieder auferstehen. Es gibt Menschen, die noch an ‹Das Zelt› glauben.»

Mann in Anzug mit nachdenklichem Gesichtsausdruck im Freien mit Gebäuden im Hintergrund.
Legende: Hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben: Adrian Steiner gibt sich optimistisch. Screenshot / SRF

Steiner hält an Neustart fest

Es gebe Investoren – wer genau, sagt der Geschäftsführer nicht. Er wolle den laufenden Prozess nicht gefährden. Am Neustart im November hält Steiner fest, der Betrieb werde wieder aufgenommen. Mit Personal, welches er zurückhole. Auf Nachfrage, ob er das Vertrauen dieses Personals noch geniesse, bejaht er nach kurzem Überlegen. «Viele der Mitarbeiter, vor allem die, die mitreisen, arbeiten ja seit 20 Jahren für ‹Das Zelt›. Und ich bin überzeugt, dass die dem Schweizer Tourneetheater treu bleiben werden.»

Fehler gesteht er sich bei der Kommunikation ein. Das ist es auch, was viele Künstlerinnen und Künstler bemängeln. Es gäbe viele Gerüchte, eben auch, dass die Shows im Herbst nicht starten würden. Immer wieder höre man von allfälligen Investoren, aber kommuniziert werde nichts. Steiner hingegen betont, er arbeite lieber an Lösungen und kommuniziere dann. Nicht umgekehrt.

Forrer hat abgeschlossen

Remo Forrer hat sich von «Das Zelt» zurückgezogen, er geht nun selbstständig auf Tour. Und auch andere Künstlerinnen und Künstler spielen, wenn, nur noch gegen Vorkasse beim «Das Zelt». Zu klein ist das Vertrauen noch.

Ob Phönix aus der Asche oder nur Asche: Das soll sich laut Steiner bereits in wenigen Wochen zeigen.

Tagesschau, 11.08.2026, 19.30 Uhr

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