Der Ätna gilt unter den Vulkanen als Sonderfall, seine Entstehung vor einer halben Million Jahren bleibt teilweise ein Rätsel. «Kein bekannter geologischer Mechanismus scheint zu erklären, wie sich dieser Riese gebildet hat», stellt ein Team von Geologen der Universität Lausanne in einem am Montag veröffentlichten Communiqué fest.
«Vulkane stossen unterschiedliche Lavatypen aus. Der Ätna ist mit Laven verbunden, die man normalerweise auf ozeanischen Inseln findet, zum Beispiel in Island, auf Hawaii und auf den Kanarischen Inseln», präzisiert Studienleiter Sébastien Pilet gegenüber dem Westschweizer Radio und Fernsehen (RTS).
Die chemische Zusammensetzung des italienischen Vulkans ähnelt jener der sogenannten Hotspots – Orten mit intensiver vulkanischer Aktivität, an denen grosse Mengen an heissem Gestein aus dem Erdmantel in Richtung Oberfläche aufsteigen.
Nur: Es gibt in der Nähe des Ätna keinen Hotspot. Aufgrund seiner Lage müsste er also kleiner und weniger eruptiv sein.
Ein wenig bekannter Vulkantyp
In ihrer Studie, die sie in Zusammenarbeit mit einer Vulkanologin im sizilianischen Catania durchgeführt haben, präsentieren die Lausanner Geologen eine neue Hypothese, die das erklären soll. Demnach werde der Ätna von kleinen Magmamengen aus dem oberen Erdmantel in etwa 80 Kilometer Tiefe gebildet und gespiesen.
Durch die komplexen tektonischen Bewegungen, die durch das Aufeinandertreffen der Eurasischen und der Afrikanischen Platte entstehen, werde dieses Magma sporadisch an die Oberfläche transportiert und wandere durch Risse, die sich innerhalb der tektonischen Platte bilden, wenn diese sich biegt, «vergleichbar mit Flüssigkeit, die aus einem Schwamm gedrückt wird», schreiben die Lausanner Wissenschaftlerinnen.
Forscher Sébastien Pilet über den Ätna:
Der Ätna könnte damit zu einer noch wenig erforschten Art von Vulkanen gehören, den sogenannten Petit Spots. Eine erstaunliche Tatsache, so die Lausanner Vulkanologen, da der Ätna mit seinen 3324 Metern deutlich grösser ist als die bisher bekannten Petit Spots. Bei diesen handelt es sich um unterseeische Hügel von einigen hundert Metern Höhe.
Dank der neuen Erkenntnisse glauben die Forschenden zudem, Prognosen zum Eruptionsverhalten des Ätna machen zu können. Demnach soll er sich treu bleiben – und nicht wie sein Nachbar Vesuv bei Neapel explosiv und damit gefährlich werden.