Das Tonband dieses Musikstücks sei stark beschädigt gewesen. Jetzt habe man es wieder retten können, sagt Gabriele Franzoso nicht ohne Stolz. Er tritt zu einem kleinen Gerät, erhitzt ein Metallstück und zieht das Tonband vorsichtig darüber, um es zu glätten.
Tonbänder werden gebügelt ...
«Diese Methode ist sehr einfach, fast banal. Aber damit ist es mir gelungen, solche Bänder zu reparieren», sagt Franzoso. Er arbeitet seit 22 Jahren bei der Nationalphonothek – Fonoteca auf Italienisch. Er hat Elektronik und Musik studiert und vereint damit technisches und musikalisches Fachwissen. Seine Erfindung ist eigentlich simpel: Er bügelt Tonbänder.
Die Idee sei ihm zufällig gekommen, als er beschädigte Kassetten wiederherstellen musste. «Ich fragte mich, ob man das Band wie ein Kleidungsstück einfach bügeln könnte. Das habe ich dann probiert und es hat funktioniert.»
Da die Bänder aus Polyester bestehen, braucht es allerdings viel Fingerspitzengefühl. Wird das Material zu stark erhitzt, können irreparable Schäden entstehen.
… Schallplatten werden fotografiert
Nicht nur die Tonband-Bügelmethode stammt aus Lugano. Auch ein weltweit einzigartiges Verfahren zur Rettung beschädigter Schallplatten wurde hier entwickelt. Ein Stockwerk höher zeigt Tonexperte Roberto Righini die Anlage. «Das ist ein absolut einzigartiges Modell – es gibt kein zweites davon auf der Welt.»
Das Besondere: Die beschädigte Schallplatte wird hochauflösend fotografiert. Die Bilder erfassen die Rillen so präzise, dass sich daraus selbst dann noch Töne rekonstruieren lassen, wenn die Platte kaum mehr abgespielt werden kann.
Mit diesem System könnten täglich Dutzende Schallplatten digital erfasst werden, sagt Righini. Oft gehe es um historische Tondokumente mit besonderem Wert. So habe die Fonoteca beispielsweise Aufnahmen der Nürnberger Naziprozesse für einen deutschen Auftraggeber digital aufbereitet.
In der vom Bund finanzierten Fonoteca selbst werden allerdings nur Tonträger archiviert, die einen Bezug zur Schweiz haben. Rund 650'000 sind es derzeit. Darunter finden sich Musik, Interviews, Reden oder Klangdokumente aller Art.
«Wenn ein Schweizer Musiker etwa einen Song der Beatles interpretiert, würden wir das archivieren», erklärt Direktor Günther Giovannoni. Entscheidend sei, dass ein Werk Teil der Schweizer Kultur, Geschichte oder Tradition sei.
Jedes Jahr kommen schätzungsweise bis zu 25'000 neue Tonträger hinzu. Die Arbeit gehe deshalb nie aus, sagt Giovannoni. «Es handelt sich nicht um eine abgeschlossene Sammlung, sondern um eine unendliche.»
Und dieses Wachstum braucht Platz. Zwar werden die Tonaufnahmen nach und nach digitalisiert. Die Originale – Schallplatten, Kassetten, CDs und Tonbänder – bleiben aber erhalten. Deshalb zieht die Fonoteca, die heute noch in einer historischen Villa in Lugano untergebracht ist, bald an einen grösseren Standort um. Denn trotz Digitalisierung wächst das klingende Gedächtnis der Schweiz weiter.