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Detailriese im Umbruch: Wohin steuert die Migros?

Published on 1.1.1970

Der Reingewinn der Migros ist 2025 auf 1.1 Milliarden Franken gestiegen, im Vergleich zu 419 Millionen im Vorjahr. Dieser Gewinnsprung hat aber vor allem mit dem Verkauf von Tochterfirmen wie Mibelle, Obi oder Hotelplan zu tun. Warum der Detailhändler ohne diese Verkäufe weniger verdient hat, erklärt SRF-Wirtschaftsredaktorin Isabel Pfaff.

Isabel Pfaff

Wirtschaftsredaktorin

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Isabel Pfaff ist seit Juni 2024 SRF-Wirtschaftsredaktorin. Vorher arbeitete sie fünf Jahre als Schweiz-Korrespondentin für die «Süddeutsche Zeitung».

Warum ist die Profitabilität der Migros – bezieht man die Unternehmensverkäufe nicht ein – gesunken?

Die Migros leidet nach wie vor unter einem vergleichsweise schwachen Geschäft in ihrem Kernbereich: den Supermärkten. Dort lief es nicht so gut wie im übrigen Detailhandel. Die Migros konnte also von der allgemein guten Lage im letzten Jahr weniger profitieren als andere. Das hat Marktanteile gekostet. Schuld ist unter anderem die Tiefpreisstrategie: Die Migros hat bei rund 1000 Artikeln – etwa einem Zwölftel ihres Sortiments – die Preise auf Discounter-Niveau gesenkt, um im Wettbewerb mit Lidl, Aldi und anderen besser mithalten zu können. Das schlägt allerdings auf den Umsatz. Zusätzlich modernisiert die Migros ihr Filialnetz, auch das kostet Geld und Umsatz, weil die Läden dafür eine gewisse Zeit schliessen müssen.

Ab wann rechnet die Migros wieder mit Gewinnen beim Marktanteil?

Migros-Chef Mario Irminger rechnet damit, dass es ab 2028 wieder aufwärts geht. Die jetzt erfolgten Investitionen in tiefe Preise, Filialen, Logistik und Produktion – allein 2025 investierte die Migros 1.5 Milliarden Franken – würden sich dann bemerkbar machen. Heute unterhält die Migros rund 720 Verkaufsstellen. 350 davon sollen bis 2030 erneuert sein, 140 neue Filialen sollen dazu kommen. Das Ziel der Migros-Gruppe: eine dauerhafte Marge von rund 2.5 Prozent im Kerngeschäft – ähnlich wie Coop.

Ist der Konzernumbau bei der Migros nun abgeschlossen und worauf konzentriert sich die Migros jetzt?

Laut Mario Irminger ist die Bereinigung des Portfolios der Migros-Gruppe nun tatsächlich abgeschlossen. Der Schlusspunkt sei der Verkauf der Tegut-Ladenkette in Deutschland gewesen. Nun will sich der Konzern auf die vier verbleibenden Geschäftsbereiche konzentrieren: den Lebensmittelhandel mit den Migros-Läden, Migrolino, Denner und der eigenen Produktion, den Non-Food-Bereich mit dem Onlinehändler Digitec Galaxus, die Gesundheit (Medbase, Fitnesszentren) und die Finanzdienstleistungen mit der Migros-Bank. Bis auf den Lebensmittelbereich sei die Migros in allen Bereichen schon heute stark und wachse.

Hat die Migros nach der Umgestaltung des Konzerns nun weniger Mitarbeitende?

Ja. Ende 2025 hatte die Migros noch knapp 92’000 Mitarbeitende – etwa 7000 weniger als im Vorjahr. Die Migros hatte Anfang 2024 angekündigt, dass Umbauprozesse etwa 1500 Stellen kosten würden. Weggefallen sind nun deutlich mehr – einfach, weil die Gruppe seither um mehr als 20 Tochterfirmen geschrumpft ist. Die Mitarbeitenden dieser Firmen mussten nicht alle entlassen werden, viele konnten bei den neuen Eigentümern weiterbeschäftigt werden.

Echo der Zeit, 24.3.2026, 18 Uhr ; 

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