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Prozess in Zürich: Frauen zur Prostitution gezwungen

Published on 1.1.1970

Bezirksgericht Zürich Prozess wegen Menschenhandels wird fortgesetzt

Mindestens 14 Frauen soll sie während sechs Jahren zur Sexarbeit gezwungen haben. Deshalb steht eine Ungarin in Zürich vor Gericht.

Die 33-jährige Ungarin soll im Zeitraum von Dezember 2016 bis November 2022 mindestens 14 Frauen von Ungarn nach Zürich gebracht haben. Unter prekären Bedingungen soll sie sie dort zur Prostitution gezwungen haben, heisst es in der Anklageschrift.

Die Staatsanwaltschaft wirft der Beschuldigten gewerbsmässigen Menschenhandel zum Zweck der sexuellen Ausbeutung und Förderung der Prostitution vor.

Gezielt nach benachteiligten Frauen gesucht

Ihre Opfer suchte die Beschuldigte laut Anklageschrift gezielt aus: Frauen aus sozial und wirtschaftlich prekären Verhältnissen. Oft waren sie obdachlos, arm, litten unter Suchtproblemen des Partners oder häuslicher Gewalt. Gegenüber diesen Frauen gab sich die Beschuldigte offenbar als Helferin, Mutterfigur oder beste Freundin aus. Sie soll ihnen versprochen haben, sie ins Ausland mitzunehmen, wo sie Geld verdienen könnten. Mittels finanzieller Vorabzahlungen.

In Zürich wurden die Frauen offenbar in Hotels im Langstrassenquartier untergebracht und rund um die Uhr überwacht. Häufig mussten sie um sieben oder acht Uhr morgens mit der Arbeit beginnen. Schlafen durften sie teilweise nur zwei bis drei Stunden.

Die Beschuldigte soll den Frauen einen Mindestverdienst zwischen 1000 und 2150 Franken vorgeschrieben haben. Das Geld mussten sie ihr grösstenteils abgeben. Damit soll sie sich ihren Lebensunterhalt, Schönheitsbehandlungen und den Erwerb von Liegenschaften finanziert haben.

Schwere Vorwürfe der Misshandlung

Die Anklage listet zahlreiche Fälle physischer und psychischer Gewalt auf. Die Frauen wurden geschlagen, an den Haaren gezogen oder massiv bedroht, wenn sie die geforderten Umsätze nicht erreichten. Zudem mussten sie ungeschützten Geschlechtsverkehr praktizieren, was zu zahlreichen ungewollten Schwangerschaften, Abtreibungen und zur Ansteckung mit Geschlechtskrankheiten führte. Oft hätten die Frauen trotz Krankheit oder massiver Schmerzen weiterarbeiten müssen.

Was die Fachstelle FIZ 2025 geleistet hat:

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Fachstelle FIZ
Legende: Keystone / Andreas Becker (Archiv)

Die Fachstelle Frauenhandel und Frauenmigration (FIZ) hat am 11. Mai ihren Jahresbericht veröffentlicht. Gemäss diesem hat die FIZ 2025 in ihrem Opferschutzprogramm 228 Opfer von Menschenhandel betreut. 65 von ihnen wurden in einer der spezialisierten Schutzunterkünfte der Organisation untergebracht. Die Fachstelle unterstützte weitere 444 Migrantinnen, darunter 140 Betroffene von häuslicher Gewalt.

Die Zahl der Betreuten lag um 20 Personen höher als im Vorjahr. Die Dunkelziffer dürfte deutlich höher liegen.

Das Fazit der Fachstelle: «Die Zahlen bleiben hoch und zeigen: Es braucht mehr Schutz, mehr Unterstützungsangebote und mehr Sensibilisierung.» Der gemeinnützige Verein FIZ arbeitet im Auftrag von Bund und Kantonen.

Staatsanwaltschaft und Verteidigung stellen ihre Anträge im Rahmen der Hauptverhandlung. Die Beschuldigte befindet sich seit dem 22. November 2022 in Untersuchungshaft.

Prozess läuft derzeit

Der Prozess läuft derzeit noch. SRF ist vor Ort dabei. Der Anwalt der Beschuldigten verlangte, dass das Verfahren eingestellt wird, weil die Beweise nicht verwertbar seien. Ausserdem habe er keine Einsicht in alle wichtigen Akten erhalten, unter anderem würden Chatverläufe und Videoaufnahmen aus der Observation seiner Mandantin fehlen.

Die Staatsanwältin entgegnete, dass sich alles relevante Material sehr wohl in den Akten befände. Auf fehlende Chatverläufe hätte die Beschuldigte aufmerksam machen können. Das Gericht entschied deshalb, dass der Prozess nicht abgebrochen wird. Er wird nun am Nachmittag mit der Befragung der Frau fortgesetzt.

Prozess in Thun wegen Ausbeutung von Putzkräften

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Auch in Thun wird heute ein mutmasslicher Fall von Menschenhandel verhandelt. Im Zentrum stehen ein serbisches Paar und seine Tochter. Sie sollen in der Berner Luxusferienregion Gstaad jahrelang Frauen als Putzkräfte ausgebeutet haben.

Laut Staatsanwaltschaft hat das Trio rund 40 serbische Frauen in die Schweiz gelockt, wo diese dann bis zu 16 Stunden täglich im Haushalt arbeiten mussten. Die Kost war laut Anklageschrift mager, die Unterkunft prekär und der versprochene Lohn von 1500 Franken viel zu wenig. Die Bewegungsfreiheit der Frauen war eingeschränkt. Wer aufmuckte, wurde unter Druck gesetzt und bedroht. 

Der Prozess am Regionalgericht ist auf mehrere Tage angesetzt, das Urteil fällt Mitte Juni.

Regionaljournal Zürich Schaffhausen, 11.5.2026, 12:03 Uhr ; 

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