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Abzug von US-Truppen - Merz und sein loses Mundwerk

Published on 1.1.1970

Marsberg. Die Kleinstadt im Sauerland kennt jetzt die ganze Welt, weil ein paar Sätze des Bundeskanzlers an der Europaschule bis ins Oval Office in Washington hallten und US-Präsident Donald Trump in Rage versetzten. Friedrich Merz hatte das Offensichtliche ausgesprochen: dass die Amerikaner im Iran-Krieg keine Strategie hätten und der Iran mit Verhandeln oder eben Nicht-Verhandeln eine ganze Nation demütige.

Trump nimmt das persönlich und feuert seit Tagen auf seiner eigenen Social-Media-Plattform eine Breitseite nach der anderen gegen den Kanzler ab. Merz habe «keine Ahnung», Trump unterstellt Merz sogar, dass dieser es befürworte, wenn der Iran über Atomwaffen verfügen würde – was gelogen ist. Immer grösser wurde Trumps Wut wohl auch, weil die iranische Propaganda Merz‘ Bemerkungen genüsslich ausschlachtet, sie den ganzen Tag an Radio und Fernsehen rauf- und runterspielt.

Sanktionen gegen Merz?

Dass Trump nun seine Drohung wahr macht und ankündigen lässt, 5000 der aktuell rund 39‘000 auf deutschem Boden stationierten US-Soldaten abzuziehen, ist sicher eine Retourkutsche für Merz‘ Kritik. Nicht immer zu sagen, was man denkt, auch wenn es stimmt, ist leider keine Kunst, die der Kanzler beherrscht.

Merz‘ Bemerkungen allein werden aber nicht den Ausschlag gegeben haben. Denn der US-Präsident schimpft auch seit Wochen über die Nato-Partner, die ihn den Scherbenhaufen, den er mit dem Krieg gegen den Iran angerichtet hat, selbst zusammenkehren lassen wollen. Zudem könnte ein längeres Telefongespräch mit dem russischen Präsidenten ebenso zur Eskalation beigetragen haben. Dass die USA ihre Militärpräsenz in Deutschland zurückfahren wollen, wird Wladimir Putin freuen.

Verlierer auf beiden Seiten

Die Militärpräsenz der USA ist nicht nur wichtig für die Abschreckung, sie ist auch ein Wirtschaftsfaktor. In der grössten US-Luftwaffenbasis im Ausland, in Ramstein, im Europakommando in Stuttgart, auf dem US-Truppenplatz in Grafenwöhr und an vielen anderen Standorten geben hochbezahlte Militärs viel Geld aus. Auch sind tausende Deutsche bei den amerikanischen Streitkräften beschäftigt.

Umgekehrt sind die Stützpunkte in Deutschland für die USA ein strategischer Vorteil. Ein Abzug oder die Verlegung von Soldaten, Flugzeugen, Schiffen würde enorm viel Geld verschlingen und das US-Militär vor neue Probleme stellen. Insofern verursacht diese Strafaktion, wenn sie denn realisiert wird, nur Verlierer – auf beiden Seiten.

Alexandra Gubser

Deutschland-Korrespondentin

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Alexandra Gubser ist seit Sommer 2022 Deutschland-Korrespondentin von SRF. Zuvor berichtete Gubser aus Frankreich. Sie ist seit 2007 für das Unternehmen als Produzentin, Redaktorin und Reporterin der «Tagesschau» tätig. Davor arbeitete sie für Medien wie «TeleZüri» oder «Radio 24».

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SRF 4 News, 02.05.2026, 2 Uhr

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